Worms Hauptbahnhof Donnerstagmittag, 30°, die Frisur sitzt. Einen warmen Start hatten wir auf jeden Fall auf dem Weg in unsere Partnergemeinde Garons in Südfrankreich. Nach etwa 10 Stunden Fahrt kamen wir endlich in unserem Mas de l’Hôpital an. Viel war mit uns nicht mehr anzufangen. Nach der Schlacht um die besten Luftmatratzen ging es mit einem Kampf um die einzige Einzeldusche weiter. Als alle geduscht waren, sind wir brav ins Bett.

Am nächsten Morgen fing dann das Abenteuer Frankreich richtig an. Über die Nachricht, dass wir nach Grau du Roi ans Meer fahren, hat sich natürlich jeder sehr, sehr gefreut. Dort angekommen war die Freude noch größer. Keiner von uns hätte gedacht, dass wir an einen riesigen Strand mit feinstem Sand gehen. In das 28° warme Wasser konnte man bestimmt 30 Meter weiter reinlaufen. Der perfekte Start. Um 13 Uhr haben die Franzosen uns Sandwiches und Chips in einem Appartement mit direktem Meerblick serviert. Um 14 Uhr sind wir dann weiter nach Aigues-Mortes gefahren – ein kleines buntes Städtchen umgeben von einer riesigen Stadtmauer. Unsere Fleckenmauer ist ein Witz dagegen. Der Abend war dann die Krönung des Tages. Wer hätte gedacht, dass der Tag noch besser würde? Wir wurden zum Abendessen von einem sehr lieben Franzosen und seiner Familie eingeladen. Wobei Abend­essen nicht annähernd beschreibt, was dort aufgetischt wurde. Nach sieben Sorten Vor­speisen (an denen wir uns schon satt gegessen hatten) gab es Lasagne und Salat. Zum Nachtisch wurde Mousse au chocolat, Marshmallows in Schokolade, Aprikoseneis und Oreillettes, eine lokale Gebäckspezialität, aufgetischt. ALLES war selbstgemacht, sogar der Nudelteig für die Lasagne. Als ob das nicht genug gewesen wäre, haben wir beim Gehen noch Geschenktüten von den Gastgebern bekommen. Zurück im Mas erst einmal der große Schock: Sonnenbrand des Todes und Mückenstiche vom Feinsten. Aua.

Am Samstag haben wir eine Sightseeing-Tour durch Nîmes gemacht – eine Stadt mit einer Arena, die besser erhalten ist als das Kolosseum in Rom und der Maison Carrée, die dem Parthenon in Athen ähnelt. Eine kleine Shoppingtour war auch drin. Da es um die 40° heiß war, durften wir statt Tanzworkshop in der stickigen, nicht klimatisierten Halle ins Schwimm­bad einer netten Französin. Abends waren wir wieder zum Essen eingeladen. Zum Aperitif konnte unsere Tanzgruppe „Break Ranks“ die Gastgeber noch mit einer kleinen Tanz­einlage begeistern. Nach dem ersten „iiieh“ haben wir festgestellt, dass Muscheln mit Pommes doch ganz gut zusammen schmecken.

Der leider schon letzte Tag hat sehr entspannt angefangen, denn wir haben bis 10 Uhr aus­ge­­schlafen. Nach dem Frühstück ging es endlich auf die Fête Votive in Garons. Das erste Highlight war mit eineinhalb Stunden Verspätung - denn die Franzosen sind wirklich sehr unpünktlich – das Holifest. Beutel mit buntem Farbpulver wurde zu lauter Technomusik in die tobende Menge geworfen. Auf ein Signal hat dann jeder seine Farbe in die Luft geworfen und getanzt. Ein tolles Spektakel, das man auf unserer Kerwe auf jeden Fall auch einführen sollte! Nach einer Turbodusche – 10 Frauen in 20 Minuten, wahrscheinlich ein neuer Weltrekord - ging es zum Paella-Essen wieder in dasselbe Restaurant wie am Vorabend. Um 16 Uhr sind wir zum „Taureau-Piscine“, einem Stierkampf-Wettbewerb in der Arena. Darauf waren wir alle sehr gespannt, da es viel harmloser als in Spanien ablaufen sollte. Fazit: Wir fanden es interessant und einige „Stunts“ auch sehr toll, würden die Sache aber nicht befür­worten. Das zweite Highlight war das Stiertreiben mit Pferden durch die Gassen Garons. Alle Zuschauer standen am Straßenrand, durch Gitterzäune geschützt, die mutigen standen sogar vor den Zäunen. Wir hatten unseren Platz direkt am Ende an der Arena und damit einen richtig guten Blick auf das Spektakel, als die Pferde und Reiter in Kreisformation um die Ecke schossen und die Straße zur Arena entlang versuchten, einen oder mehrere Stiere im Kreis zu halten. Manchmal gelang es, manchmal büxte der Stier aus. Das war dann zum puren Nervenkitzel, dass die Tiere nicht an den Zaun kamen. Insgesamt 20 Tiere wurden so in die Arena gebracht. Als Abschluss wurden alle Stiere auf einmal zurück geschickt, um dann noch einmal durch Straßen zurück zur Arena getrieben zu werden. 20 Stiere, die auf einen zu rennen, gefolgt von etwa acht riesigen Pferden – was für ein Erlebnis! Das letzte Abendessen war fantastisch. An einer riesigen Tafel wurden wieder massenhaft Vorspeisen, Salate und Grillwürste und Nachspeisen aufgetischt. Wir durften zwischendurch wieder in einen richtig tollen Pool. Man muss hier noch erwähnen, dass die Franzosen mit „Abend­essen“ eine mindestens dreistündige Prozedur meinen. Als Abschiedsgeschenk bekamen wir wieder tolle Päckchen mit Süßigkeiten und französischen Spezialitäten. Abschließend können wir sagen, dass die Franzosen eines der gastfreundlichsten und unpünktlichsten Völker der Welt sind. Es waren super-tolle fünf Tage mit schönen Erfahrungen und neuen Bekannt­schaften. Wir wären gerne länger geblieben und würden sofort wieder mitfahren.

(Jennifer Teichmann)
   
© ALLROUNDER